H. H. Capor

 

H.H. Capor: Zeitreise

Galerie Straihammer und Seidenschwann
Grünangergasse 8, 1010 Wien, 24. 10. – 24. 11. 2018

 

Zum Glück ist die Zeitreise Hermann Caporsmit dieser Ausstellung nicht zuende, und auch nicht mit der letzten Postkarte mit seinem Portrait, das seit dem 17. Dezember 2017 in einem Hotel in Havanna hängt – die vollständige Postkartenserie liegt in der Ausstellung auf. – Die vorläufig letzte Benachrichtigung, wie Hermann Capor seine Reiseberichte nennt, wurde am 1. 10. 2018 in Wien aufgegeben, wie ich am Poststempel sehen kann, die Briefmarke zeigt Thayataler Tracht. – Die Briefmarken sind wichtig, hat mir Hermann Capor letzte Woche im Vor-gespräch zu dieser Vernissage gesagt, weil für ihn alle Details wichtig sind. Das Foto, das ihn eine Havanna rauchend zeigt – das ist meine Interpretation, weil das Foto in Havanna hängt, aber es könnte auch irgendeine Zigarre sein, und er raucht sie nicht, sondern hält sie nur in der Hand, eine brennende Zigarre – dieses Foto hat Elfriede Mejchar 1996 in Wien gemacht. Als Erinne-rungsfoto an einen Hotelaufenthalt in Havanna 2016 ver-ändert sich seine Bedeutung, und mit dieser Zeitreise auch die Bedeutung von Raum und Zeit. – Die Grundstein-legung für das Hotel Sevilla, das Hermann Capor damals zum ersten Mal bezogen hat, ist 1880 erfolgt, die Bögen und Säulen und Mosaiken sollen an die Alhambra erinnern, die im 9. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt wird, als rote Burg bei Granada. Hermann Capor hat im Sevilla den Nebel von gestern gelesen, ein Erinnerungsbuch des kuba-nischen Erfolgsautors Leonardo Padura an das Havanna der Neunzehnfünfziger Jahre. – In der Folge hat Hermann Capor an jedem Ort seiner Zeitreise ein Buch eines lokalen Autors gelesen. – Die Gästegalerie in dem Hotel hat ihn auf die Idee gebracht, sich unter Enrique Caruso und Josephine Baker zu mischen – ob dort auch ein Foto von Al Capone hängt, der zu den illustren Gästen gehört haben soll, kann ich nicht sagen. – Hermann Capor hat sich in allen Hotels, die er in der Folge für seine Zeitreise bezogen hat, als Gast verewigt und diese In-terventionen, wie er es nennt, mit Video dokumentiert, am Anfang selbst, bald mithilfe von Freunden wie Michael Michlmayr, der auch alle Videos geschnitten hat, die Sie in der Ausstellung sehen: Filme, die Hermann Capor in der Nachfolge Buster Keatons zeigen, wie er mit stoi-scher Miene Fotos von sich an Hotelwände hängt oder in Bilderrahmen schiebt oder mit einem Dietrich eine Vi-trine öffnet, um sein Portrait hineinzustellen, oder ein Plakat eines Familienfotos mit seinen Eltern auf das Fenster eines verlassenen Luxus-Hotels klebt. – Der Witz dieser Zeitreise besteht darin, daß sie spontan ent-standen ist und auf Improvisation beruht, die Auswahl der Hotels und der Gastportraits, alles ist in einem Jahr passiert. – Ich komme erst jetzt drauf, hat Hermann vor knapp einer Woche zu mir gesagt, es war nur ein Jahr! – Jetzt steht nur noch die Bilanz dieser Unter-nehmung aus, und dabei sind Sie als BesucherInnen der Ausstellung gefordert: Was ist aus den Fotos geworden? Hermann Capor hat damit begonnen, die Orte seiner Inter-ventionen von neuem aufzusuchen, aber wenn Sie zufällig vor Ort sind, schauen Sie bitte im Albion Hotel in Auck-land vorbei oder im Gran Hotel Bolivar in Lima, im Hotel Brighton in Valparaiso oder im Le Royal in Phnom Penh oder im Station Hotel in Hua Hin in Thailand.

PS: Das Waldorf Astoria in New York wurde gerade renoviert, als sich Hermann Capor dort verewigen wollte. Also hat er sein Portrait am Bauzaun angebracht, wo es verschwunden war, als er vom Essen zurückkam. Vorher hatte er zwei Stunden lang abgezählt, wie viele Passan-ten stehengeblieben waren, um sein Portrait zu betrach-ten. – Das war die erfolgreichste Ausstellung meines Lebens, hat er zu mir gesagt. – Sie können ein Foto da-von in dieser Ausstellung sehen.

 

Lucas Cejpek, Wien, 24. 10. 2018

 

 


 
Capors Arbeit kann als ständige Konfrontation mit gesellschaftlichen Tabus gesehen werden. Zu Beginn waren es die Themen Religion und Staat, welche in aktionistischer Weise behandelt wurden. In den letzten Jahren sind soziale Themen der Inhalt der Arbeit, wiewohl auch hier Tabus aufgespürt werden.
 
Verena mit der Konfrontation von Krankheit und Erotik oder Veiling wo dem Tabu der Freiwilligkeit der Verschleierung moslemischer Frauen nachgegangen wird, sind Arbeiten mit starkem Zeitbezug, die auf gesellschaftliche Realitäten reagieren bzw. anspielen
 
Zur Umsetzung werden Fotos, Videos, Musik, Installation, Arbeiten im öffentlichen Raum, etc. eingesetzt. Jeweils der Thematik angepaßt, damit ein optimaler Transfer zum Rezipienten erfolgt.